Textvorstellungen: Andreas Plammer – Bar jeder Vernunft

Andreas Plammer ist nichts Wienerisches fremd. Gerade deshalb entsteht in seinen Texten ein Wien, das sich nicht jedem öffnet. In dieser Welt der Tschocherln, der Taugenichtse und des Dämmerlichts siedelt Andreas Plammer seine Figuren an. Dabei mäandert er zwischen Hochsprache, Umgangssprache, Dialekt und Verfremdung. Seine Texte wissen um die Bedeutung der Fragen, verweigern manchmal die Antwort, nicht aber die Aussage. Zuletzt erschien Fauler Zauber (2011, Milena Verlag). Emily Walton in ihrer Falter Rezension: „Plammers Stil ist witzig und schön wienerisch.“

Spunk Seipel für das Buchmagazin des Literaturhauses:

Das wunderbare an diesem Kriminalroman in dem halbseidenen Milieu ist, dass er sich wohltuend von der Brutalisierung so vieler anderer Kriminalromane abgrenzt. Plammer muss nicht die perversesten Tode, die härtesten Kriminaler, die größten Versager schildern, um seine Geschichte voranzutreiben. Die Morde, die Motive, die Personen, sie sind ihm glaubhaft geglückt. Er hat vollbracht, woran so viele andere Autoren scheitern. Die Szene der Taugenichtse in einem verlotterten Nachtleben glaubhaft zu schildern und den Protagonisten dabei immer ihre Würde zu lassen.

In diesem Sinne hier schon der Verweis auf den Büchertisch, das Buch ist nicht ganz neu, aber Bücher haben ja kein Ablaufdatum wie die Milch!

In der Zwischenzeit war Andreas Plammer das Gegenteil von untätig. Er veröffentlichte in Literaturzeitschriften, vor allem aber ist er Mitherausgeber der Literaturzeitschrift „&radieschen“ und Vorsitzender des Instituts für regionale Sprachen und Kulturen mit seiner Zeitschrift „Morgenschtean“ sowie Mitveranstalter der Lesereihen ALSO – Anno Literatur Sonntag und Anno Dialekt Donnerstag.

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Bei den letzten Textvorstellungen war von diesem Cafe Anno schon die Rede. Dort trifft sich ein ziemlich übermütiger Stammtisch um dort über das Schreiben zu reden, um ein oder mehrere Biere zu trinken und um bei Lesungen präsent zu sein. Für diese uneigennützige Szenearbeit können wir alle Andreas Plammer nur danken, in dem wir zum Beispiel ein &radieschen oder ein Morgenstean Abo bestellen und ihm bei der Vernetzung von Autoren und Autorinnen helfen.

Das Andreas Plammer trotz dieser Umtriebigkeit die Zeit findet, an einem neuen Romanmanuskript zu arbeiten und stetig Kurzprosa schreibt und veröffentlicht, macht uns froh. Seine Texte stehen immer auch im Zeichen der Mündlichkeit. Seine Begeisterung für eine ambitionierte und unverzopfte Dialekt-Literatur ist ebenfalls sofort zu erkennen.


Lesetipp: Andreas Plammer
Fauler Zauber.
Kriminalroman.
ISBN 978-3-85286-211-8


Textvorstellungen – Motto: Die Netze zwischen den Inseln

JOHANNES WITEK (Salzburg) Ein weiterer Dienstag Abend, Baby. Lyrik (Manuskript) • CHRISTINE TEICHMANN (Graz) Gaukler. Roman (Edition Keiper, 2017) • ANDREAS PLAMMER (Wien) Bar jeder Vernunft. Prosa (Manuskript) • Redaktion und Moderation: MIEZE MEDUSA


Mieze Medusa ist Teil des Textvorstellungen-Teams der Alten Schmiede in Wien und stellt viermal im Jahr drei Kolleg_innen mit aktuellen Texten vor. Hier auf dem Blog publiziere ich die Einleitungen. Warum? Weil ich die Texte toll finde und gerne auch euch vorstellen möchte!

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