Sex zwischen Seiten

Statistik  und Schlüpfrigkeiten…  die Lange Nacht des Sex im Wien Museum.

Leicht ist es nicht, gut über Sex zu schreiben. Oder nein! Es ist schwer, gut über guten Sex zu schreiben. Großartige Szenen zu schlechtem, also missglücktem, peinlichem, unterbrochenem, frustrierendem Sex gibt es jede Menge. Aber so über Sex zu schreiben, dass wir Lust bekommen, dabei zu sein … Nun ja. We workin‘ on it. Warum ist es aber so schwer? Weil Geschmäcker unterschiedlich sind, im Inhalt, wie im Stil. Und weil wir unsere Sprache beraubt haben, ein Tabu über unsere Körper gelegt haben. Wir sagen „da unten“ oder  wir verwenden so Gangsta-Rap rape-culture-taugliche Wörter wie „Fotze“. Dazwischen? Viel, was sich schwer sagen lässt.

Gerade deshalb war ich so wahnsinnig gespannt, was die Kolleg_innen für Szenen auswählen würden, bei der Langen Nacht des Sex im Wien Museum.

Hier ist die Liste, so ungefähr aus dem Gedächtnis zitiert:
Klaus Nüchtern las aus Heimito von Doderer, wobei ich nicht mehr weiß, was.
Tex Rubinowitz scheint wie ich Entscheidungsschwierigkeiten gehabt zu haben. Er hatte Philip Roth dabei, Portnoy’s Complaint, aber nicht nur.
Teresa Präauer hat aus ihren Büchern gelesen, also aus Johnny und Jean und Oh Schimmi.
Stefan Slupetzky  hat etwas von Heinrich Steinfest ausgewählt, tja, toll war es, aber in der langen Liste Steinfestscher Veröffentlichungen finde ich nichts, was ich Wiedererkenne. Also einfach alles lesen.

00_20170120_kra5286_web1600px-jpgMeine Wahl: Margit Hahns Erzählungen sind so vergriffen, dass sie sogar in der Bücherei Wien nur in der Bibliothek der Raritäten zu finden sind. Mein Exemplar verleih ich nicht mehr… Mit ihrem lakonischen Erzählton und der hohen Wahrscheinlichkeit, dass eine_r der beiden nicht immer zustimmenden Erwachsenen am Ende ein gewaltsames Ende gefunden hat, sind die Geschichten … beeindruckend.
Mein zweiter Text war die Beschreibung (s)einer Hochzeitsnacht von Markus Köhle. Das war insofern ein intimer Moment, weil wir Autor_innen zwar immer alles erfinden, uns das aber nie jemand glaubt. Sein Text (und meine Gegendarstellung) ist in „Heiraten schön trinken“ nachlesbar.

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Was ich (fast) gewählt hätte:
Jan Kossdorff hat in „Sunnyboys“ gleich zwei Orgien untergebracht. Allerdings habe ich gegen meine Gewohnheiten nicht die Stellen mit Eselsohren mariert, deshalb hätte es zulang gedauert, die Stellen rechtzeitig für die Lesung zu finden … das Buch ist übrigens auch vergriffen. Go to the library.
Marcia Zuckermann baut in „Das vereinigte Paradies“ ein schönes Konstrukt von sich wechselseitig betrügenden Vernunftehen. Und mit Vernunftehe meine ich: Visumbeschaffungsehen. Ist, Überraschung, vergriffen. Liegt es an meinem Geschmack? Sie hat aber eine neues Buch: „Mischpoke!“ Ich freu mich schon drauf, es zu lesen.
Ansonsten: Klar, Anais Nin, John Irving, Rita Mae Brown (vor den Katzenkrimis), …
Der Buchhändler des Vertrauens wird übrigens oft nach seinen Lieblingsstellen gefragt, findet das aber schwer zu beantworten. Ihr seht schon: Ich habe recherchiert!

Fun fact: In „Freischnorcheln“ habe ich laut Sebastian Fasthuber eine der traurigsten Sexszenen seit langem geschrieben, wie er damals in der Rezension geschrieben hat. Und stimmt schon, ich will da wirklich auch nicht dabei gewesen sein 😉
Der Sex war so schlecht, dass die Protagonistin (Achtung, Spoiler!) danach das Land verlassen hat.

Meine alltime favorite Sexzene ist übrigens von Neal Stephenson in „Snow Crash“. Einfach nur deshalb, weil 300 Seiten früher die Vorarbeit gelegt wird dafür, dass vielleicht die Welt doch nicht untergehen muss.

Und ihr? Habt ihr einschlägige Lesetips? Nur her damit!

 

 

 

 

 

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