Gdank an Gdansk!

Was für eine Ehre! Und was für eine Gelegenheit! Peter Clar hat uns zum Barbara Frischmuth Symposium nach Danzig geladen. Die volle Packung: Workshops, Antworttexte und Beisitz beim Symposium, wo wir vielen klugen Menschen beim respektvollen Zerpflücken Frischmuth’scher Texte zuhören konnten. Ohne Barbara Frischmuth Lesung geht’s natürlich gar nicht und ein Poetry Slam Duell durften Markus Köhle und ich uns auch noch gönnen.

27222643254_7a4f859451_nFür mich war es nicht nur der erste Besuch in Danzig, ich war auch zum ersten Mal in Polen. Und viel wurde uns geboten: Danzig im Winter (erster Tag), Danzig im Mischwetter (zweiter Tag), Danzig im Hochsommer (Rest der Woche).

Von den Workshops in Danzig und Krakau war ich positiv überrascht. Wir wurden ein wenig gewarnt: Zurückhaltend wären die Studierenden. Und stimmt. Die können gut stillsitzen und zuhören. Aber aufdrehen, schreiben und laut sein können sie auch. Gut gemacht, es großen Spaß gemacht, mit euch zu arbeiten.

Barbara Frischmuth kann übrigens auch gut stillsitzen und zuhören. Mit großer Ausdauer hat sie den Ausführungen der Germanist_innen gelauscht, immer wieder auch kommentiert und ergänzt. Die Germanistik gibt sich gut gelaunt: „Als eine Stimme werden wir Frau Frischmuth heute gelten lassen“, so die Grundhaltung. Und natürlich nicht ganz zu Unrecht. Die Autor_innen haben nicht immer Recht, manchmal, so die anwesenden Expert_innen, haben sie nicht mal den Ansatz einer Ahnung, was sie da im Text gemacht haben. #germanstikwitze #wirlachenehmit

Aber dann hatten sie doch Schweißperlen auf der Stirn, denn Barbara Frischmuth ist eine Instanz und unfassbar belesen obendrein, und ja, ich gebe zu: Als ich an der Reihe war mit meinem Antworttext, da hatte ich auch ganz schön weiche Knie und mehr Lampenfieber, als ich gewohnt bin. Ist nämlich gar nicht so leicht auf einen ganzen Roman zu antworten, schon gar nicht, wenn du ihn richtig gut findest. Schon gar nicht, wenn du ihn gelesen hast, als du noch ganz schön naiv warst…

Mein Antworttext heißt übrigens „Über die verhältnismäßig großen Schwierigkeiten mit dem Speichermedium Mensch“ und antwortet auf den großartigen Roman „Über die Verhältnisse„. Hier ein Auszug aus meinem Versuch, dem Roman gerecht zu werden: 

In diesem Durcheinander schlägt ein Buch auf, das mir Österreich endlich mal so erklärt, dass ich damit etwas anfangen kann. Es ist ein Buch, das in der Großstadt spielt, und – boy – ich will so weg vom Dorf, damals. Es ist ein Buch, das von Weltpolitik erzählt, aber so tut, als ginge es um Privates. Es ist ein europäisches Buch, verwendet dabei aber eine zutiefst österreichische Sprache. Es enthält ein paar schöne Sexszenen.

Lesen! Selber lesen! Unbedingt lesen!

Was für ein Privileg, sich dann mit Barbara Frischmuth unterhalten zu dürfen, über ihre Lesereisen nach China, was der Sinowatz wann zu ihr bei welcher Buchmesse gesagt hat. (Wow, ein Kanzler, der sich auf Buchmessen sehen lässt, naja, mal schauen, dem Kern trauen wir das auch zu, zur Zeit), und überhaupt: Reden über das Schreiben, Lesen, Übersetzen… Und nicht nur mit Barbara Frischmuth, auch mit Peter Clar, Anna Babka, Stefan Krammer, dem ich noch ganz kurz erkläre, warum Mario Andreotti in seiner kurzen Ausführung zu Poetry Slam in seinem Standardwerk einfach nicht recht hat… #likeaboss #germanistikwitze #bitteichweißauchwas

Aber ich schwöre: Zugehört hab ich auch. Gelernt hab ich viel. Danke, Gdansk!

DSC05574Führende Stimme der Frischmuthforschung ist übrigens Andrea Horvath von der Uni Debrecen. Die durfte ich an ihrer Uni auch schon mit Poetry Slam versorgen, was für ein schönes Wiedersehen!
Als ich die versammelte Germanistik dazu bringe, auf der Stiege des besten Kaffeehauses in Danzig mit mir Harlem zu spielen, sitzt sie völlig zu recht ganz vorne. Barbara Frischmuth sucht den Schatten, Markus Köhle hat das Weite gesucht oder aber das Foto gemacht… who knows!

Auf der anderen Seite vorne im Schatten sitzt übrigens unser Stadtführer, der als Treffpunkt tatsächlich den Platz gleich beim Sammelpunkt des polnischen Äquivalents der Regenbogenparade angibt und uns nicht nur sehr viel über Danzig erzählt, sondern auch über die politischen Verhältnisse, über die Umstände des heutigen Polens. Danke dafür, es ist gut, wenn wir uns alle kennenlernen.

Apropos: machen wir das Namedropping vollständig: Joana Drynda, Monika Wójcik-Bednarz, Mirosław Ossowski, Christian Schenkermayr, Isabel Kranz, Silvana Cimenti … es war toll euch alle (besser) kennenzulernen.

Und auch nicht ganz unwichtig: Danzig, du Schöne! Du liegst am Meer!

27800857746_d904b12b63

Mehr Fotos wie immer auf flickr!

Barbara Frischmuth Symposium Danzig 2016

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s