Schalt die Wolkenkratzer ein, ich kann nichts sehen!

Zu meiner großen Überraschung übersetzt sich Shanghai relativ leicht. Straßennamen, Metro, Müllkübel sind alle auch auf Englisch angeschrieben. Zugegeben, die Taxifahrer können weder die Adressen noch den englischen Stadtplan lesen, aber die Stadt ist auf Touristen vorbereitet.

DSC06099Jedes Hotel, jedes Lokal hat ein kleines Zettelchen bereitgestellt mit der Adresse in chinesischen Schriftzeichen. Die man im Taxi einfach herzeigt.

Wir fahren ohnehin kaum Taxi. Wir erlaufen uns Shanghai. Zu Fuß, mit Stadtführer und Kamera in der Hand, mit keinen Sprachkenntnissen, aber mit Lächeln ausgerüstet. Shanghai ist super logisch aufgebaut. Fast wie New York, aber mit Straßennamen statt numerierten Avenues und ein paar Kurven mehr.

In den ersten drei Tagen (Bund & Peoples Square, Old Town & French Concession, auch nach Pudong schippern wir rüber) verlieren wir kein einziges Mal die Orientierung.
Doch wir gehen uns selbst ein wenig verloren.

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Es ist auf Dauer anstrengend, mit einem Wortschatz aus Bitte, Danke, Hallo und einem Arsenal an Lächeln durch eine Stadt zu navigieren. Obwohl alle zurücklächeln. Shanghai ist eine ausgesprochen freundliche Stadt, für eine Riesengroßstadt zudem auch ruhig. Der Verkehr ist gewöhnungsbedürftig. Unsere Kennenlerninstanz, der Lonely Planet beschreibt das so:

Green lights mean it’s slightly saver to cross the roads.

Stimmt, aber hauptsächlich hüpfen wir aus einem guten Grund einige Male in letzter Sekunde zurück auf den Gehsteig. Die meisten Mopeds, und es fahren unfassbar viele Mopeds durch die Stadt, fahren mit Strom, was gut für die Umwelt ist und sie fast unhörbar macht. Quasi Stealth Mode. Ziemlich schnell die Dinger. Gute Sache!

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Mit der Luft ist es komisch. Luftfeuchtigkeit so hoch, dass rundherum alles verrostet. Ich weiß nicht, ob es einfach Wasserdampf ist, was die Weitsicht so einschränkt, oder doch SMOG, jedenfalls stellt sich die Frage: Warum Wolkenkratzer bauen, wenn man sie dann nicht sieht.File0040.JPG

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An der Oberfläche, und wir kennen natürlich nur die Oberfläche, ist Shanghai die entspannteste Großstadt, die ich kenne. Es wird wenig gehupt, wenig gedrängelt, kaum jemand schreit rum oder regt sich lautstark auf. Es wird zwar lautstark auf den Boden gespuckt, geschlatzt sagt man in meiner Heimat dazu, aber – nun ja. Wäsche, die zum Trocknen rausgehängt wird, bestimmt das Stadtbild, hängt auch auf den Stromleitungen.

Shanghai fühlt sich sicher an. In Wien in der U-Bahn oder am Gürtel passe ich besser auf meine Handtasche auf. Shanghai ist selbstbewußt, zeigt sein Geld gern her. Wolkenkratzer, Leuchtschrift, Designermode, jede Menge Lokale. Aber trotzdem. Sobald ich meine Begeisterung teilen möchte, stoße ich auf Grenzen. Facebook: gesperrt. flickr: gesperrt. tumblr, Blogspot, YouTube, google: gesperrt, WordPress: nicht gesperrt, warum auch immer.

Aber, am anderen Ende der Welt, wie ich sie kenne, ist der Strom, der durch die Leitungen fließt, derselbe, wie daheim. Wenn du den Stecker deines Gerätes, das mit großer Wahrscheinlichkeit in China hergestellt wurde, mit ein bisschen Gewalt in die Steckdose zwängst, kannst du nachladen ohne Adapter. Aber die Leitungen, die die Stadt durchziehen, die werden ganz anders verlegt als daheim!

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Vorerst also nur ein vorsichtiges Fazit. Scheißgeil, wenn die Welt dir wieder mal beweist, wie scheiß klein du bist im Vergleich zu ihr! In diesem Sinn: Danke, Shanghai!

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