#thelisaeckhartlovemovement

Zuerst: Danke an Horst Thieme und das ganze Team von Slam2015. Augsburg, du warst uns ein herzlicher und guter Gastgeber. Danke für eure Arbeit, die gute Laune und das Wetter. Ich hab für euch nur Liebe und davon viel.
Auch: Was für ein Finale. Großartige Texte und Performances von allen. Danke, Julian Heun, Fabian Navarro, David Friedrich, Björn H. Katzur, Jan Phillip Zimny, Danke, Lisa Eckhart, Mona Harry, Florian Wintels, Lars Ruppel. Gratulation, Jan Phillip Zimny, du bist toll.

Aber auch: Was für ein Finale. Uns ist ein Fehler passiert. Der Fehler ist nicht Horst passiert, sondern der gesamten Slam-Szene. Wir haben uns mit dem Regelwerk zu wenig Zeit genommen, wir haben uns wohl alle nicht vorstellen können, dass es im Finale zu einem Punktegleichstand auch bei den Streichwertungen kommt. Noch dazu bei den beiden mit Höchstvoting. Dann haben wir eine Münze geworfen. Das war regelkonform und trotzdem falsch.
Ich für meinen Teil hab die Nacht nach dem Einzelfinale geflennt, wie damals, als Bambis Mutter gestorben ist. Deshalb bin ich auch so früh und so grußlos gefahren, eine Frau im besten Alter, die eine Nacht geweint hat und keine Sonnenbrille dabei hat… Die Welt will das nicht sehen.

Meine erste Meisterschaft war, ironischerweise, 2002 in Bern. Da gab es die Timo Brunke Empörung, da gab es übrigens eine Frau nicht nur im Finale der deutschsprachigen Meisterschaften, sondern auch im Stechen. Fiva ist fast Meisterin geworden, Lasse hat’s gemacht, alles gut. Seither bin ich fast jedes Jahr dabei, meistens schafft es eine Poetin das Finale zu erreichen, in guten Jahren 2, immer wieder auch keine. Ganz selten erreicht eine von uns das Stechen.

Mit vielen dieser Poetinnen (und mit mehr, die schon in den Vorrunden und Halbfinali rausfallen) komme ich irgendwann ins Gespräch. Wir haben gar nicht so viel gemeinsam, oft nur unsere Liebe zu Poetry Slam und unser Geschlecht.
Und plötzlich ähneln sich die Gespräche so: Es ist mühsam, unseren Platz zu erkämpfen, es ist mühsam, so oft die einzige Frau im Line-Up zu sein, es ist schwer für uns, funktionierende Netzwerke zu bauen, Seilschaften zu finden, für den Weg ganz nach oben. Einige von uns bleiben, viele sind schon gegangen: Fiva, Nora Gomringer, Lydia Daher, Mia Pitroff, …
Ich hab manchmal das Gefühl, zu bleiben, weil ich mehr stur als klug bin. Ich weiß über mich, dass ich lernfähig bin und Sturheit nicht meine Lieblingseigenschaft an mir ist.

Lisa Eckhart, kurz bevor sie auf die Bühne geht und den Ö-Slam 2015 gewinnt. Sorgen wir dafür, dass das die einzige Art und Weise ist, wie sie uns den Rücken zudreht.

Was das mit Lisa Eckhart zu tun hat? Eine Poetin wie Lisa ist ein Glücksfall, eine Rarität, eine Chance für die ganze Szene. Sie ist ein Diamant mit unfassbar viel Talent, Professionalität und Arbeitsethos. Sie ist unfassbar jung und unfassbar gut. Sie hätte den Slam2015 vielleicht gewonnen, vielleicht nicht. Aber ich hätte sie unfassbar gern darum kämpfen gesehen. Die Chance haben wir ihr genommen. Weil wir schlampig waren. Unbedacht. Wir, die Szene. Und jetzt schulden wir ihr was. Schon allein um sicher zu stellen, dass Lisa weiter Bock auf Slam hat. Nicht sie verliert, wenn sie geht. „Es geht mir hier nicht um den eventuellen Ruhm, den hol ich mir schon“, sagt Lisa Eckhart selbst und bistdudeppert: Ich glaub ihr das. Die österreichische Kabarettszene wirbt schon um sie (und zahlt gut). Nicht Lisa Eckhart verliert, wenn sie uns den Rücken zukehrt. Sondern wir.

Was tun?
Ganz einfach: Lisa Eckhart buchen. Für die großen Bookings, die mit den echten Gagen, die mit Presseaufmerksamkeit, die, die wir für uns selber wollen. Bucht Lisa Eckhart dann, wenn ihr Jan Phillip Zimny oder Lars Ruppel oder David Friedrich oder sonst einen von den von mir so geschätzten, geliebten, verehrten Slam-Haudegen buchen wollt. Zimny und Ruppel und Friedrich bucht ihr bitte auch, ein Slam-Line-Up hat Platz für viele und Platz für Vielfalt.
Bucht Mona Harry gleich dazu, dann ist Lisa nicht die einzige Frau im Line-Up. Oder bucht Franziska, Lifke, Yasmin, Theresa, Leonie, Katja, Lara, Hazel, Svenja, ihr kennt uns ja… bucht gern auch mich, aber wenn ihr wiedermal nur eine Frau fürs Line-Up braucht, bucht Lisa und wisset, dass eine Frau im Line-Up sowas von zu wenig ist. #epicfail #keinbackstageohnetampons #thelisaeckhartlovemovement

Sorgen wir also dafür, dass Poetry Slam für Lisa Eckhart eine Heimat bleibt. Weil wir sie brauchen. Und wenn wir das gemacht haben, fällt die Bitte, den Thread zu schließen auf offene und erleichterte Ohren. Momentan fühlt es sich mehr so an, als wäre ich eingeladen einen Thread in meinem Leben zu schließen.

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