Vivir bien und das Gemeinwohl – Symposion Dürnstein

Am letzten Nachmittag des Symposions geht es nochmal voll zur Sache: Oscar Vega Camacho erzählt vom Weg, den Bolovien geht um zu einem guten Leben (Vivir bien) zu kommen.
Bolovien wäre der beste Schüler des Neoliberalismus gewesen. In den 70er und 80er Jahren Neoliberalismus schien der einzig gangbare Weg zur Demokratie zu sein.
attac In einem langen Prozess des Lernens und der Entwicklung von Prozessen der Bürgerbeteiligung gelang es, das indigene Prinzip des vivir bien in die Verfassung zu argumentieren. Direktes Resultat ist auch die Verankerung des kommunalen Besitzes (The Commons) in der Verfassung, es gibt nicht mehr nur privates und staatliches Eigentum, es gibt auch Eigentum, das gemeinnützig sein muss.
Das alles kann nur der Beginn sein, betont Oscar Vega Camacho. Gleichzeitig hat diese Entwicklung aber erlaubt ein prekäres Sozialhilfesystem einzurichten.

Michaela Moser gibt zu bedenken, dass Abhängigkeit und Freiheit kein Gegensatz sind und wir unser Verhältnis zu den Begriffen neu definieren müssen. Wir müssen lernen, nicht nur zu geben, sondern auch zu nehmen. Und dann noch das mit dem Danke sagen.
Und übrigens: In Berlin wird ein Care-Kongress stattfinden, es soll eine Care-Revolution ausgerufen werden, ich bin gespannt, nötig wäre es.

Veit Schmid-Schmidsfelden und Christian Felber setzen sich zu den beiden und schon beginnt die letzte Diskussionsrunde. Es geht endlich auch ums Eingemachte: Wer regiert die Welt? Nach welchen Werten und mit welchen Zielen?

Veit Schmid-Schmidsfeldenals Vertreter der Industriellen Vereinigung argumentiert so:  Finanzkrisen hat es immer schon gegeben. Die letzte unterschied sich vor allem dadurch, dass es im Kern eine Wettbewerbskrise (Europas und der USA) war, die über Jahre von der Immobilienblase überdeckt werden konnte, die Arbeitsplätze schuf. Nach Platzen der Krise landete die Realwirtschaft auf dem Boden der Realität –> Wichtigkeit des richtigen Reagierens wurde deutlich, es wurde falsch reagiert. Aber: Der Kapitalismus und die Marktwirtschaft wären nicht gescheitert. Es ist die Rolle der Gesellschaft, die Werte zu liefern, das Fehlen der Werte hat uns auch in der Diskussion langsam gemacht. Gutes Leben bleibt Tugenden.

Christian Felber vom Projekt Bank für Gemeinwohl sieht das anders: Wie wachsen wir aus der Krise in eine neue Weltordnung des Gemeinwohls. Wirtschaft ist ein Werkzeug, kein Selbstzweck. Ziel ist das Gemeinwohl, nächster logischer Schritt: Wie setzen wir Erfolgsparameter und Standards, die das bewerten.
Finanzbilanz und BIP sind Messer der Verfügbarkeit von Mitteln oder der Akkumulation von Tauschwerten (z.B. Geld). Erfolg eines Projekts sollte aber an der Zielerreichung, nicht an der Mittelanhäufung gemessen werden. Das ist der 1. Grundsatz jedes Projektmanagement. Wir müssen den Methodenfehler von Adam Smith (Metapher der unsichtbaren Hand als Argument für den deregulierten,  freien Markt) beheben!
Kapitalismus sei neutral, was die Staatsform betrifft, er kann genauso gut mit einer Diktatur wie mit einer Demokratie (Zwischenfrage Schmid-Schmidsfelden: Herr Felber, wie kommen Sie darauf? Antwort: China.), Kapitalismus sei Machtwirtschaft, nicht Marktwirtschaft, die Grundsätze der Marktwirtschaft (z.B. der Eigenverantwortlichkeit) werden z.B. durch die Bankenhilfe ausgehebelt.

Was mich an der Gemeinwohlökonomie besonders bezaubert hat, ist das sie pragmatische Antworten gibt: Ein konkretes Berechnuns- und Bewertungsmodell, das überprüft, ob ein Wirtschaftsunternehmen dem Gemeinwohl dient oder ihm schadet und auch gleich

Es folgte ein reger Schlagabtausch, auch unter eloquenter Beteiligung das Publikums. Es war eine Freude!
Es ging aber auch schnell:
Ich denke, die Simultanübersetzerinnen haben stellenweise kapitulieren müssen, ich beim Mitschreiben auch. Aber dafür hat die Menschheit das Interent erfunden:

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