Stillsitzen, um nicht still zu stehen – Fazit Symposion Dürnstein

3 superintensive Tage, mit sehr klugen Redebeiträgen und der erfreulichen Tatsache, dass viele der Vortragenden auch den anderen Vortragenden zugehört haben und die Diskussion mit ihrer Sichtweise bereichert haben.
Ein Riesenkomplement an die OrganisatorInnen des Festivals: Die Beiträge haben einen tollen Bogen gespannt… Wenn mir ein Thema (reproduktiver Sektor, Forschung und Bildung, Raumplanung und öffentlicher Verkehr) schmerzlich zu fehlen begonnen haben, kam es üblicherweise im nächsten Vortrag vehement zur Sprache.

Was bleibt?

Einerseits die Erkenntnis, wie erholsam es ist, 3 Tage intellektuell voll gefordert zu sein. Viele neue Ideen und ein paar ganz große Sager (Zitate nicht wörtlich, ich habe mitgeschrieben, nicht mitgeschnitten und transkribiert):

  1. „The way the North lives has needed a lot of South.“ Oscar Vega Camacho
  2. „Unsere Zielsetzungen unterscheiden sich nur geringfügigst“ – Veit Schmid-Schmidsfelden (Industriellenvereinigung) zu Christian Felber (Projekt Bank für Gemeinwohl, Attac Österreich)… Ach, die Zielsetzungen… Aber bei den Mitteln klafft es dann auf!
  3. „Evolution stellt Fragen. Es ist daher notwendig, die Antworten zu haben, bevor die Fragen auftauchen.“ Markus Hengstschläger in seinem Plädoyer für nicht zielgerichtete, anwendungsorientierte Forschung und die dazupassende Anstrengung im Bildungsbereich, um das Wissen über die Generationen weiterzureichen.
  4. „Wir müssen unser Verhältnis zu Abhängigkeit und Freiheit überdenken. Diese Begriffe sind kein Gegensatz.“ Michaela Moser
  5. „Die Zukunft ist zur Zeit eine Art Müllhalde für die Probleme der Gegenwart.“ Adelheid Biesecker in ihrer Forderung für nachhaltige Ökonomie
  6. „There are no digital scripts at the Bank of Goldman and Sax.“ und „It is more fun to order a human around than a machine.“  Robert Skidelsky über die Auswirkungen der digitalen Revolution auf den menschlichen Arbeitsmarkt
  7. Adam Smith und seine Idee der „unsichtbaren Hand“, die den Markt via Eigeninteresse  beherrscht, scheint ausgedient zu haben. Bei den ExpertInnen herrscht große Einigkeit darüber, dass Vermögensbesteuerung, Arbeitsstundenverkürzung, Neuverhandeln von Privatbesitz und dem Sektor der unbezahlten und nicht anerkannten Arbeit eine Unumgänglichkeit sind -> Skidelsky, Felber, Briessecker, …
  8. Um das zu erreichen, braucht es eigentlich ’nur‘ mutige PolitikerInnen.

Leider ist aber auch deutlich geworden, dass die Vertreter der Macht, also die politischen Repräsentanten am Podium, nicht nur keine Antworten zu wissen scheinen, sie scheinen auch keine Fragen stellen zu wollen. Ich meine das respektvoll: Sie waren vorbereitet und offensichtlich mit Wissen und wertvollen Erfahrungen ausgestattet. Ich habe gerne zugehört.
Allerdings: Die Antwort darauf, wie man die von ihnen geforderte Rückkehr der Werte in den Wirtschaftsbereich zurückbringen könnte, wie man mit der neuen Situation (Finanzkapitalismus, digitale Revolution, 24-Stunden-Pflege, Zersiedelung des öffentlichen Raums) umgehen kann, bleiben sie schuldig. Es entsteht noch nichtmal der Eindruck, dass sie nach den Antworten suchen oder die Relevanz der Frage anerkennen.

Es geht uns doch gut, in Österreich. Stimmt! Aber am Montag nach dem Symposion lese ich in der Zeitung, was die HYPO mit unserer Staatsverschuldung macht und es steht ein banges „Wie lange noch im Raum?“

Die Antworten gibt es aber! Die Möglichkeiten und das Geld zur Umsetzung auch. Ich bedanke mich daher bei allen Vortragenden dafür, dass sie mir aufgezeigt haben, dass wir Instrumente des Reagierens geschaffen haben und sie ständig weiterentwickeln.

Ich bedanke mich herzlich für die Einladung zum Symposion Dürnstein und vor allem auch für die Einladung zum Bloggen: Das hat mich gezwungen, den Marathon der Ideen konzentriert zu verfolgen und mir Zusammenhänge deutlich gemacht, die ich bisher zwar vielleicht erahnt hab, aber nicht hätte argumentieren können.

In diesem Sinne: „Wenn wem das Wenige / und dort der Winterspeck / hier nur das Nötigste / da Angst vor Hintertreff‘ / Ändert sich nichts an dem Gewicht das unsre Wünsche auf die Waage legen / und dieser Wink mit dem, auf das wir so erpicht sind, ist der Fingerzeig, den wir uns oft als Maßstab nehmen“

mieze medusa & tenderboy - Das gute Leben feat. Willi Landl

Ein Kommentar

  1. Danke für die g’scheiten und doch auch witzigen (schließt sich ja leider meistens aus) Berichte und Kommentare. Ich hab’ immer schon auf den nächsten gewartet. Es war fast als wäre ich dabei gewesen.
    Interessantes Programm und interessante ReferentInnen!

    Danke für die drei superintensiven Tage und liebe Grüße
    Monika Krampl

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