Zwischenstadt, Speckgürtel, Mythos Eigenheim – Symposion Dürnstein

Die Zwischenstadt ist ein anderes Wort für Vorort, Zersiedelung, für den oft schnell platzenden Traum vom Eigenheim, das nächste Ballungszentrum ist im Ideallfall per Auto gut erreichbar. Die Zwischenstadt breitet sich scheinbar unaufhaltsam aus. In Wien sind das 30-40 km rund um das Kerngebiet und dehnt sich weit über die Stadtgrenzen hinaus. Aber auch im Rest Österreichs bedeckt die Zwischenstadt im nicht-alpinen, besiedelbaren Raum fast 50% der Fläche.

Zu diesem Thema haben Jürgen Breuste und Reinhard Seiß zwei spannende Vorträge zusammengestellt, die mich ein wenig an der Zukunft unseres Landes zweifeln lassen… Denn:

the superheroes among the highrises<– So baut Österreich eher nicht! Österreich baut eine lange Straße, einen langen Kanal, eine lange Stromleitung und ein Haus mit 2 bis 4 Autos davor.

Das strategische Programm für nachhaltige Entwicklung in Österreich 2006-2010 hat sich zum Ziel gesetzt, Zersiedelung einzubremsen, wurde stolz politisch verkündert und  ist gescheitert.

  • Man wollte die Neuversiegelung von Flächen reduzieren von 20 Hektar auf 2 Hektar pro  Tag → ist gescheitert. Seit 1995 gab es eine Zunahme der Flächenversiegelung um 40%
  • ¾ aller Wohnbauten sind Ein- und Zweifamilienhäuser
  • Täglich werden 3 Hektar unbebautes Land in die Bebauung einbezogen

Solar City / Linz:

Wohnraumbedarf in Linz, man könnte auch in der Stadt entwickeln, hat man aber nicht. Warum in den suburbanen Raum in die Zwischenstadt gehen. 3500 Einwohner…

Warum eigentlich dort: Diese Fläche besaß die Stadt Linz, alle anderen hätte man kaufen müssen, dafür war kein Geld vorhanden.

Nähe von Natura 2000 Gebiet der Traun-Donau-Auen, extrem geschütztes Gebiet mit hoher Biodiversität. Jetzt baut man 3500 Einwohner daneben… → Konflikte → wir müssen das Problem mit dem Schutz der Gebiete lösen und kann das nicht mehr aufschieben. Hat bei Solar City gut funktioniert.

Haben Konzept der Naturschutzgebiete übernommen:

Besucher wegfangen von den sensiblen Flächen. Attraktionen wurden geschaffen, Wasser- und Sportflächen, obwohl schon natürliche Flächen vorhanden waren, Wanderweg um den Auwald herum, damit niemand durchgehen… findet nicht statt, wegen Mücken… Es gibt davon aber noch keine wissenschaftliche Überprüfung.

Die Zwischenstadt ist ohne die Stadt nicht denkbar, und auch ohne die freie und relativ billige Verwendung des Autos nicht.

Soweit Jürgen Breuste, der auch das Verhältnis zwischen Zwischenstadt und Natur ziemlich genau untersucht…

Danach meldete sich Reinhard Seiß zu Wort mit einem furiosen Ankreiden der Zustände österreichischer Raumplanung. Ich habe begeistert zugehört, aber es war zu rasant um die Fakten zu notieren!

Was mir blieb:

  • Das Einfamilienhaus am Land wird von Stadtmenschen wie mir mitfinanziert: Kanalgebühren, Straßenbau, Wohnbauförderung…
  • Gewinne von Umwidmungen von landwirtschafltichen zu Bauflächen sind unversteuert, die Kosten der Erschließung trägt die Gemeinschaft (mit) in Form von Subventionen.
  • Politische Instrumente wie die Pendlerpauschale und die Forderung nach deren Erhöhung, die Verwendung der Wohnbauförderung
  • Die Bauordnung, die an anderer Stelle bemüht wird um z.B. aus „ästhetischen“ Gründen Minarettbauten zu verhindern, hat nichts gegenüberdimensionale rote Stühle oder gelb-rote Plastiktaschen und die dazugehörigen Konsumbauten, die aus der Innenstadt ebenfalls in die Zwischenstadt verlegt werden.
  • Übrigens: Wenn eine Gemeinde in einem Gewerbegebiet eine Schuhkette ansiedelt, das groß genug ist, um die ganze Region zu versorgen, aber die Nachbargemeinde ebenfalls ein Gewerbegebiet errichtet, dann wird die gleich Schuhkette dort eine Filiale eröffnen, obwohl es ihre Gewinne schmälert. Denn: Sonst kommt die Konkurrenzkette. Im Krieg nennt man das: die Politik der verbrannten Erde.
  • Die Zersiedelung des Landes im Umfeld von Städten zerstört unsere fruchtbaren Böden und beeinträchtigt unsere Ernährungsouveränität…

Soweit meine etwas lückenhafte Erinnerung, ich war vom rasanten Vortrag so gebannt, dass ich mit meinen Notizen nicht so ganz mitgekommen bin… Aber hört selbst:

Reinhard Seiß über die Rolle des Autos beim Phänomen Zersiedelung:

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