Von ungleich zu ungleicher – Symposion Dürnstein

„John Maynard Keynes had ignored the relative nature of want“, so Robert Skidelsky. Keynes hatte vermutet, dass die Anhäufung von Kapital uns direkt zur 15-Stunden-Woche führt. Aber nicht nur der relative Charakter des Mangels, der Bedürfnisse sei schuld daran, dass wir immer noch crazy hours arbeiten, auch die Tatsache, dass die Ungleichheit wieder am Vormarsch ist. „Inequality has grown substantially bigger since the 70s.“

Jetzt, wo er davon spricht, erinnere ich mich daran, dass in meiner Jugend Arbeitszeitverkürzung beim elterlichen Abendmahl als etwas Anzustrebendes diskutiert wurde.
Alas, it was not to be.
Während der 70er und 80er Jahre ist die Arbeitszeit pro Woche etwas gefallen.  Das hat aufgehört, während die Ungleichheit in der Gesellschaft zeitgleich anstieg. Don’t my daddy know it.

Was macht die Ungleichheit mit unserer Gesellschaft?
Das BIP hat an Aussagekraft über die Fähigkeit zu konsumieren verloren. Auch gibt es einen Zusammenhang zwischen ökonomischem Fortschritt und Ungleichheit.

 Thomas Piketty beschäftigt sich in „Capital in the 21th century“ unter anderem mit der Entwicklung der „capital to income ratio“. Die zeigt vor allem eins: Der zweite Weltkrieg hat ganz schön viel Kapital verbraten. (Und den Rest nach Amerika verschifft, das sag jetzt allerdings ich, Skidelsky war deutlich friedliebender.)

Exkurs: The Luddite Rebellion wurde von einem Heer niedergeschlagen, das größer war als das gegen Napoleon, wo sie doch nur forderten, Maschinen zu zerstören würden um menschliche Arbeit  attraktiv zu halten. Jahrhunderte später übernahm diese Aufgabe dann der zweite Weltkrieg.

Davor war es die Massenemigration nach Amerika und das amerikanische Äquivalent, die Western Frontier, die dafür sorgten, dass menschliche Arbeitskraft nachgefragt wurde und nicht allzusehr im Überfluss vorhanden war. Und diverse Kriege natürlich.

Zurück zur Gegenwart: Arbeitslosigkeit wird immer noch als Unterbrechung der Erwerbstätigkeit betrachtet, nicht als systemimmanente Tatsache. Digital Computing übernimmt zur Zeit die Rolle der Dampfmaschine und macht das mit mentaler Arbeit so redundant, wie der Dampf mit der menschlichen Muskelkraft gemacht hat. Nicht ganz überflüssig, aber schon ziemlich. Symptome dieser Überflüssigkeit sind das Sinken der relativen und sogar der absoluten Löhne.

Beispiel: Kodak hatte 1980 154000 Beschäftigte, 2003 wurde der Konkurs angemeldet. Instagram hatte bei der Übernahme durch facebook 2012 13 employees, facebook selbst 6337. (Achtung, diese Zahlen sind absolutes Hörensagen, wie schnell und wie richtig ich mitgeschrieben habe dürft ihr selbst ergoogeln.)

Genauso Walmart & amazon: Das mittlere Managment wurde durch Computer ersetzt, der Rest bekommt minimal wages. Es sei hier von mir kurz auf amazons Rolle in Deutschland verwiesen.

Was passiert also zur Zeit? Das technological unemployment, das nicht zyklisch ist und mit dem Fortschritt kommt, steigt. Die Löhne sinken. Mehr und mehr Leute benötigen staatliche Unterstützung oder arbeiten in schlechten und schlecht bezahlten Jobs. Die Kaufkraft sinkt. Oder wird über Kredit finanziert, bis die privaten Haushalte kein collateral mehr haben. Dann wird aus der Not eine Tugend gemacht und das Sparen und die Bescheidenheit wiederentdeckt werden.

Mögliche Lösungen:

  • Den Preis der Arbeit niedrig zu halten und staatliche Unterstützung (Arbeitslose, Sozialleistungen) verknappen. Der right wing approach, der zur Zeit ein wenig im Trend liegt. –> Ahem, Nein danke.
  • Verkürzung der Arbeitszeit bei gleichbleibendem Einkommen. Die (Neu-)Verteilung des Vermögens muss angegangen werden.
  • Taxing computers to benefit wages. Nachdem Löhne in reichen Ländern ohnehin oft gestützt sind, ist eine Besteuerung der Maschinen vielleicht wirklich eine gute Idee.
  • Anhebung des Mindestlohns. Allerdings lädt das die Unternehmer erst recht wieder dazu ein, die Arbeit von Robotern und Computern verrichten zu lassen.
  • Das Einkommen der Menschen von der Arbeit unabhängiger zu machen. Ein Grundeinkommen z.B. in Form eines Nationalen Fonds, der staatliche Gewinnzuwächse an die Menschen ausschüttet. Gefüttert wird dieser Fonds z.B. aus den Steuern auf Arbeit, Schenkungs- und Vermögengssteuern. → Robert Lord Skideslky empfiehlt diesen Zugang, als den wohl geeignesten.

Also ein bedingungsloses Plädoyer fürs bedingungslose Grundeinkommen. Well done, Mr. Skidelsky.

Das Publikum kontert sofort: „Aber dann tuat doch neamd mehr wos..“

Aber woher denn!

Darauf wird später Prof. Adelheid Biesecker antworten!

Schlag nach bei Marx!

Problem dabei ist das footlose capital. Das Kapital ist mächtiger als die Arbeit, deshalb ist es schwer, das Kapital zu besteuern. Tatsächlich sind unter Reagan und Thatcher die Steuern auf Vermögen gesenkt worden.

Zusätzlich dazu braucht es eine education to leisure, nicht nur eine education to labour. Denn leisure ist nicht gleich Faulheit, sondern Zeit für sinnstiftende Tätigkeit.

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