Vor dem Heringschmaus – Symposion Dürnstein

Der Raum nimmt das Thema vorweg: Die Barockfassade spiegelt Ecken, Kanten und Rundungen vor, die sind aber nur aufgemalt. Aber auch die glatte Fassade ist eine Illusion und wird rissig. Die Krise, also, und das gute Leben. Das Thema sagt es schon: es geht um alles, um die großen Themen der Menschheit und über die wird bei uns, so die Gastgeberin Ursula Baatz sinngemäß, der Diskurs oft monopol geführt. Dagegen anzutreten ist also die Aufgabe, beim Symposion Dürnstein.

120_0374 Ich mach einen Anfängerfehler und setz mich nach hinten zu den Simultanübersetzerinnen und muss ab dann akustisch multitasken. Die Übersetzerinnen sind gleich beim ersten Beitrag gefordert. Alexander Tschernek leiht seine Stimme einer Tour d’Horizon durch allerlei Philosophisches vom Lustigen Taschenbuch plus Dagobertschen Goldspeicher bis Faust II. Apropos übersetzen: Wußtet ihr, dass Dagobert Duck im Original Scrooge McDuck heißt und warum? Googelt das! Und ja, um Geld wird es gehen in den nächsten Tagen.

Keynote Speaker Tomáš Sedláček beginnt nicht am Anfang, er beginnt bei Jesus und wühlt sich durch bis zur Genesis. „Christianity was reduced to ethics. Today, ethics have been reduced to health ethics.“ Aber wenn wir schon von Religion reden, vorhin ist Herr Sedláček in meiner Nähe gesessen und Stillsitzen kann er nicht. Der Dialog soll ja ein europäischer und ein außereuropäischer sein, deshalb find ich das gut: Denn das Stillsitzen hat die Katholische Kirche nur bei uns europäischen Gläubigen und Wenigergläubigen durchgesetzt. In anderen Weltgegenden darf man auch beim katholisch Beten rumruckeln. Ich mag das und auf der Bühne verwandelt sich die Unruhe des Vortragenden in Eloquenz und Charisma. Plus: I loved the suit, Mr. Sedláček.

I’ve taken notes, quite extensively. But: Das ist ein Blog, kurz soll es sein.

God created Adam in his image, feeling alone -> copy paste: Adam feels alone -> copy paste: Eve feels alone -> this feeling of loneliness has always been a part of us…

Was, wenn die Unterdrückung durch das System nicht von oben käme, vielleicht noch nicht mal von der Seite, vielleicht von hinten (immer schneller, immer schneller müssen wir gehen) sondern von unten. Denn es werden die tiefen Gefühle üblicherweise unterdrückt, nicht die hohen. (higher feelings, lower feelings). Oppresion by the system keeps our a lid on our primordial phantasies and is by and large okay…

Hm. Viel Freude hat mir die Analogie zwischen Teenage Mutant Ninja Turtles und der Phrase von der „invisible hand of the market“ gemacht. Die 4 Wörter Teenage, Mutant, Ninja und Turtle haben überhaupt keine Kohärenz, aber weil wir uns an sie gewöhnt haben, sind sie aufgeladen mit Sinn und Wahrheit. Ähnlich verhält es sich mit invisible, hand und market..

Das „Triangle of economic mythology“ besteht aus eben dieser „invisible hand of the market“, wenn alles gut läuft, aus den „animal spirits“, wenn irgendwas schief läuft, und dem „homo economicus“.

In der Ökonomie wird ein selbstverfasster Gedanke schnell ein Mythos und danach noch schneller ein Glaubensgrundsatz. Wie z.B. der vom rationalen, ökonomisch denkenden Menschen. „Economics is the unorchestrated orchestrator.“ -> Daher die Forderung nach dem Laissez-fair, der Satz davon, dass sich der Staat auf keinen Fall einmischen dürfte in den freien Markt.

Gleichzeitig verschwendet die Wirtschaftswissenschaft keinen Gedanken daran, wie das System neuaufzusetzen wäre, im Fall eines Problems. (… how to reboot the system, when it halts.“ Und das System stockt immer wieder, auch wenn es gut ist. Siehe: Paradies und die Vertreibung daraus.
Soweit die schlechten Nachrichten. Der Rest war Heringschmaus und Wohlgefallen.

Question & Answer
war kurz (die Fragen) und lang (die Antworten). In den Antworten holte der Vortragende auch jede Menge Wirtschaftstheoretiker in die Manege: Adam Smith, Mandeville, von Hayek. Davon hätte ich mir mehr gewünscht. Aber morgen und übermorgen ist ja auch noch jede Menge Zeit.

Gute Nacht, aber davor noch ein paar Takte Musik!

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