Ich versteh nur Plattenbau

Für einen neugierigen Neuling wie mich, fühlt sich Sofia ein bisschen wie New York an. Wegen dem Licht, vielleicht. Letztes Jahr um die Zeit haben Markus und ich New York entdeckt, mit offenem Mund!
Wegen den Street Vendors und den kleinen Bistros mit Minigastgärtchen am Gehsteig. Wegen der Freundlichkeit der Leute. Wegen den großen Kontrasten: Luxus und Armut liegen so nah bei einander und die Mülltrennung wird von alten Menschen erledigt, die den Müll durchsuchen nach Verwertbarem.
sophia Bulgarien

Natürlich: Sofia fehlen die spektakulären High Rises (aber wem fehlen die nicht). Die Stadt kontert mit einer Bausubstanz aus Jugendstil und real nicht mehr existierendem Sozialismus oder Kommunismus oder … so oder so ist die Blütezeit schon etwas länger her. Als Österreicherin kann ich mich da ganz gut reinfühlen. Die Architektur hier ist so spannend wie renovierungsbedürftig. Auch in dem schicken Bobo-Viertel, in dem ich mich rumtreibe: Zwischen Goethe-Institut und Vladimir Zaimov Park, zwischen österreichischer Botschaft (Danke, für die Einladung) und Vitosha Boulevard.

Anders als in New York ist Orientierung hier wirklich ein Problem. In New York muss man nur zählen können, hier scheitere ich schon am Lesen. Es retten mich meine rudimentären Griechischkenntnisse. Die Kyrilliza hat mit dem griechischen Alphabet gemein, dass das B ein V ist, dass N ein I, dass P ein R.
Und wenn man sich mal zur Erkenntnis durchgerungen hat, dass ein TAKCN dich für Geld von A nach B fährt, dann versteht mann auch ziemlich schnell, dass XCEPOXC den Copyshop bezeichnet, wie in New York eben. Die TAKCNs sind billig, aber das nützt nicht viel, kann doch der Taxifahrer mit dem Kringel auf deiner Straßenkarte, der das Hotel bezeichnet nicht viel anfangen, ist ja ein Touristenplan, steht da ja nicht in Kyrilliza angeschrieben.

sopia Bulgarien

Ansonsten: Ein schöner Auftritt im Goethe Institut, bei dem wirklich nur 3 SchülerInnen den Raum verlassen haben, die wohl gerade erst mit dem Deutsch lernen begonnen haben.

Dann die Herausforderung:
Auftritt im Park am Europäischen Tag der Sprachen.
Haßt ihr es eigentlich auch so, wenn ihr im öffentlichen Raum nach einer bejubelten Volkstanzgruppe auf die Bühne müsst?
Mit Lyrik?
Nicht in der Landessprache?
Mir jedenfalls haben die Knie ein bisschen geschlottert.

Gerettet hat mich wiedermal die Mama. Aber nicht nur! Auch die Anette, die die Übersetzung, die eigentlich erst für Ruse geplant war, dabei hatte und sich mit mir auf die Bühne gestellt hatte. Es hat extrem viel Spaß gemacht, welche Teile des Publikums bei mir und welche bei ihren Sätzen gelacht haben. Und dann: Musik als universale Sprache. Das sehr offenherzige Publikum hat nir einen HipHop Beat unterbreitet. Und ab geht’s:

Wir wollen mehr, lieben die Geschwindigkeit, wollen schnelles Geld, schnellen Ruhm, schneller als der andre sein …

Sag ich doch: Wie New York. Möge der Cypher mit uns sein!

In meinem flickr-Account gibt es mehr Fotos aus Sophia zu sehen!

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Eine Antwort zu “Ich versteh nur Plattenbau

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