Tipps für die Wildnis.

Seit einiger Zeit schreibe ich immer wieder mal eine Kolumne für die wunderbaren anschläge! Nachdem ich die aktuelle gerade abgeschickt habe, hier eine aus dem Frühjahr 2011: Tipps für die Wildnis!

Wie haben wir uns gefeiert. Und mit was? Mit Recht. Irgendwie war im März 2011 jede_r Feminist_in. 100 Jahre Frauentag war so präsent, dass mir erst zwei Monate später auffällt, wie wenig medialen Nachhall die größte Frauendemo seit Jahren eigentlich hatte. Das nächste mal geh ich zur Opernballdemo. Da brauchst du nur eine Handvoll Leute und bist schon in den Medien. Aber egal. Das ist eh typisch herstory, es gibt ja wahrlich Wichtigeres: Burli von der EAV kommt unverhofft zu neuen Ehren, deren Leadsänger wuchteldruckst zur Zeit bei den Dancing Stars im Hinterzimmer. Gratulieren wir Frau Weichselbraun zur Moderation auf der Hauptbühne des glatten ORF-Parketts. Freuen wir uns mit Alfons Haider darüber, dass er den Toleranzbildungsauftrag des ORF im paargetanzten Alleingang schupft. Verschwenden wir aber trotzdem nicht unsere Zeit vor dem Fernseher. Machen wir uns nichts vor: Es gibt Wichtigeres.

Und weil wir was uns wichtig ist, üblicherweise im Prekariat machen – auch das übrigens ist typisch herstory –, erledigen wir das uns so Wichtige mit einer hochspezialisierten Form der Augengleichgewichtsstörung: Ein Auge schielt auf den Kontostand, ein anderes auf die verschiedenen Deadlines, seltener gelingt uns ein Seitenblick auf die Selbstverwirklichung, so gut wie nie bemerken wir, wenn wir grad Freizeit haben. Wir grabenkämpfen uns durch einen To-Do-Listen-Dschungel. Und weil wir das jetzt schon eine ganze Weile tun, haben wir ein paar Tips für die Wildnis:

  • Straight Edge ist echt eine Option, wenn ein Kater deinen Zeitplan endgültig kippt.
  • Über die Strenge schlagen empfiehlt sich trotzdem immer wieder.
  • Vorurteile wegpacken. Es gibt Menschen mit Raiffeisen-Anstecker am Trachtensakkorevers, die Günter Brus so richtig gut finden. Oder dich.
  • Bausparen. Weil wir nie wissen, wann wir Kredit brauchen, aber immer wissen, wer ihn uns dann nicht gibt.
  • Buchhaltung & Steuererkärung übers Jahr verteilt updaten. Naja.
  • Margaret Atwood lesen. Weil wir von ihr lernen können. Und abschreiben. Stichwort: Wilderness tips.

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